Die Bewerbungsphase und der Entscheidungsprozess für einen neuen Mitarbeiter – oder eben auch für einen neuen Arbeitgeber – sind für beide Seiten oft aufwendig und zeitintensiv. Der Arbeitgeber organisiert Gesprächstermine, sichtet die Unterlagen der Bewerber, lädt zu Assessment-Events ein, bevor er einen Kandidaten als geeignet für Unternehmen und Team qualifiziert. Der zukünftige Mitarbeiter recherchiert die Produkte des Unternehmens, die Strukturen und Online-Reputationen, um möglichst das beste Ergebnis in der Bewerbungsphase zu erzielen. Dies soll deutlich zu machen, dass in den meisten Fällen weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer ein Interesse haben, die Probezeit als leichtfertiges Unterfangen anzusehen.

Probezeit ist nicht gleich Probezeit

Zunächst sei gesagt, dass es keine gesetzlich vorgeschriebene Probezeit gibt. In der Regel enthält aber ein Arbeitsvertrag eine Klausel zur vorgeschalteten Probezeit oder aber – die nicht so verbreitete Form – zum befristeten Probearbeitsverhältnis.

Kündigung in der Probezeit - Blogbeitrag

Die vorgeschaltete Probezeit

Die häufig eingesetzte Form der Probezeit-Vereinbarung setzt die ersten drei bis sechs Monate des neuen Arbeitsverhältnisses als Probezeit fest, zu der beide Vertragsparteien mit einer Frist von zwei Wochen kündigen können. Soll das Arbeitsverhältnis nach der Probezeit nicht fortgeführt werden, bedarf es einer ausdrücklichen schriftlichen Kündigung. Erfolgt diese Kündigung nicht, läuft das Arbeitsverhältnis automatisch fort.

Das befristete Probearbeitsverhältnis

Diese Variante wird weniger häufig verwendet. Mit Ablauf der vereinbarten Probezeit endet hier das Arbeitsverhältnis, so dass es keiner Kündigung bedarf. Sollte der Arbeitnehmer jedoch über die Befristung hinaus weiterarbeiten, läuft das Arbeitsverhältnis grundsätzlich unbefristet fort.

Die Kündigung in der Probezeit

Eine Probezeit dient Arbeitnehmern wie Arbeitgebern dazu, sich kennenzulernen und herauszufinden, ob ein langfristiges Arbeitsverhältnis passend ist. Während der häufig sechs Monate umfassenden Probezeit lernt also der Arbeitgeber die Arbeitsweise und das Verhalten des neuen Mitarbeiters kennen. Als Arbeitnehmer erschließen sich aus dem Arbeitsalltag Kenntnisse über das Teamgefüge, den Führungsstil, sowie die Produkte und Prozesse innerhalb des Unternehmens.

Zeichnen sich innerhalb der Probezeit Gründe ab, von einer gemeinsamen arbeitsvertraglichen Zukunft abzusehen, bedarf es der Kündigung in Schriftform mit eigenhändiger Unterschrift des Kündigenden. Eine mündliche Kündigung ist auch während der Probezeit unwirksam. Eine Angabe von Gründen ist bei einer Kündigung grundsätzlich nicht erforderlich.

Wann ist eine Kündigung in Probezeit unwirksam?

Für neue Arbeitnehmer gilt die häufig verwendete Probezeit von sechs Monaten auch als Frist bis zum Einsetzen des gesetzlichen Kündigungsschutzes. Kündigt der Arbeitgeber innerhalb der ersten sechs Monate, muss hier der Arbeitnehmer den Beweis erbringen, dass die Kündigung unwirksam ist.

Kündigung in der ProbezeitRegelmäßig klar unwirksam wäre eine Kündigung bspw. bei einer Schwangerschaft oder wenn die Kündigung diskriminierend bzw. sittenwidrig ist. Sittenwidrig kann eine Kündigung in der Probezeit dann sein, wenn der Arbeitgeber die Kündigung unmittelbar vor Ablauf der sechs Monate ausspricht, um die Wirksamkeit des gesetzlichen Kündigungsschutzes zu umgehen oder der Arbeitgeber sehr kurz vor Ablauf der ersten sechs Monate die Kündigung mit einer auffällig langen Kündigungsfrist ausspricht, um ggf. den Arbeitnehmer ohne wirksames Kündigungsschutzgesetz weiter zu beschäftigen.

Kündigung während der Probezeit für AZUBIs

Für Ausbildungsverhältnisse in der Probezeit gilt für beide Seiten: Eine Kündigung kann jederzeit ohne Angabe von Gründen gekündigt werden. Die Länge der Probezeit hat der Gesetzgeber hier auf mindestens einen und höchstens vier Monaten festgesetzt. Ein vorangegangenes Praktikum gilt laut  BAG, Ur­teil vom 19.11.2015, 6 AZR 844/14 nicht als Bestandteil der Probezeit, kann also nicht angerechnet werden.

Wann sollten Sie bei der Kündigung innerhalb einer Probezeit einen Anwalt konsultieren?

Allgemein empfehlen wir Arbeitnehmern wie auch Arbeitgebern, bei Fragen oder Problemen bezüglich der Arbeitsverträge zur Probezeit einen Anwalt zu Rate zu ziehen, um formale Fehler zu vermeiden oder aufzudecken. Arbeitnehmer sollten beachten, dass sie die Kündigung nur innerhalb von drei Wochen gerichtlich anfechten können.

In einigen Fällen ist es äußerst ratsam, Fehler mit Hilfe eines Fachanwalts für Arbeitsrecht zu vermeiden.

Dies gilt z.B. wenn

  • der Arbeitnehmer durch eine bewusst lange Kündigungsfrist in der Probezeit eine weitere Bewährungschance im Unternehmen erhalten soll;
  • der Arbeitgeber bei der Formulierung des Arbeitsvertrages auf pauschale Tarifverträge UND Kündigungsfristen verweisen möchte;
  • eine fristlose Kündigung während der Probezeit notwendig wird.

Sie benötigen aktuell eine Beratung von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht? Wir beraten Sie in dringenden Fällen auch kurzfristig. Bitte kontaktieren Sie uns unter 0211 – 55558 oder über unser Kontaktformular.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s